Pfarre St. Pius X. und Priesterbruderschaft St. Pius X. Ist das dasselbe?

Immer wieder kommen Gläubige zu mir mit der Frage, was unsere Pfarre mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. gemein hat. Durch die Aussagen eines Politikers in „Offen gesagt“, der sich zu dieser Gemeinschaft bekennt, bekommt die eingangs gestellte Frage neuen Zündstoff. Dazu möchte ich folgendes erklären:

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine „Priestervereinigung mit Gemeinschaftsleben ohne Gelübde“ der katholischen Kirche. Sie entstand unter der Führung von Erzbischof Marcel Lefebre und wurde kanonisch errichtet am 1. November 1970.

Wesentliche Zielsetzung der Bruderschaft ist die Seelsorge, die sie mittlerweile weltweit wahrnimmt: neben Europa ist sie in Nord- und Südamerika, Asien, Australien und Afrika vertreten. Die Bruderschaft bildet ihre Priester selber aus, Priesterseminare wurden gegründet in Econe (Schweiz) und auch in Deutschland. Derzeit gehören nach letzten Angaben ca. 450 Priester und 60 Brüder der Gemeinschaft an.
Die Gründung der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist als Gegenbewegung zur nachkonziliaren Entwicklung zu verstehen.

Und hier kommt für mich der entscheidende und unüberbrückbare Unterschied zwischen Pfarre St. Pius X. und Priesterbruderschaft St. Pius X.: Die Priesterbruderschaft lehnt das 2. Vatikanische Konzil ab, ebenso die Liturgiereform, die Ökumene und wendet sich wie Pius X. gegen den Modernismus. Diese Haltung führte zu einem kontinuierlichen Streit mit Vertretern der Amtskirche.

Zum Bruch kam es, als Lefebre aus Altersgründen 1988 ohne päpstliche Erlaubnis vier Bischöfe weihte, um den Bestand seiner Gründung zu sichern.

Als Strafe für diese Bischofsweihen wurde am 2. Juli 1988 die Exkommunikation über Erzbischof Lefebre und die von ihm geweihten Bischöfe ausgesprochen. Lefebre nahm den Standpunkt ein, dass die Bischofsweihen aus einer kirchlichen Notlage heraus – der Sicherung der Bruderschaft gegen den modernistischen Widerstand aus Rom – vorgenommen wurden und deshalb rechtmäßig sind. Er starb 1991.

Seither regelmäßige Gespräche zwischen Rom und der Bruderschaft brachten keine Ergebnisse. Die 4 von Lefebre geweihten Bischöfe gelten als exkommuniziert, was freilich von der Bruderschaft nicht anerkannt wird.

Allgemein ist es Katholiken vom Vatikan zugestanden, die hl. Messen der Bruderschaft zu besuchen, die vollständig in Latein gehalten werden, der Priester mit dem Rücken zum Volk. Auch der Sakramentenempfang ist gültig und erlaubt. So nimmt der Vatikan absichtlich einen unklaren Standpunkt ein, ist jedoch bestrebt, diesen Zustand zu überwinden.
Einige Priester verließen unmittelbar nach den unerlaubten Bischofsweihen die Bruderschaft St. Pius X. und gründeten 1988 die päpstlich anerkannte Priesterbruderschaft St. Petrus. Diese anerkennt alle Dokumente des 2. Vat. Konzils, unter anderem auch die Ergebnisse der Liturgiereform.

Ich denke, vom eben erklärten ist die Eingangsfrage mit einem klaren Nein zu beantworten.

Pfarrer Josef Scheiring
 
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